Dental spezial

Hat mein Tier wirklich schmerzen? Es frisst doch normal!

Tiere leiden still! Von der Natur getrieben, wird auch bei Schmerzen Nahrung aufgenommen und das Leiden vor Feinden versteckt. Daher entgehen selbst dem aufmerksamsten Besitzer häufig krankhafte, schmerzende Veränderungen der Maulhöhle und der Zähne. Werden diese jedoch nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, müssen die Tiere dauerhaft Schmerzen leiden und es kann zu schwerwiegenden Folgen für den gesamten Organismus kommen. Zuerst kommt es lediglich zum Anheften von Plaque (Futterresten, gemischt mit Speichel) an den Zähnen, welcher später durch Mineralisation zu Zahnstein verhärtet. Plaque ist in der Regel mit Bakterien besiedelt, die nahezu unweigerlich zur Zahnfleischentzündung führen.

Nach einiger Zeit infizieren sich auch die Knochen des Zahnhalteapparates, des sog. Parodonts. Es kommt zum Knochenabbau, Zahnfleischrückgang und schließlich zum Verlust der Zähne. Dabei öffnet sich, der sonst vom anliegenden Zahnfleisch beschützte, sehr gut durchblutete Parodontalspalt. Bakterien wandern in diesen ein und werden mit dem Blutstrom in den gesamten Organismus geschwemmt. Langzeitschäden an Herz, Niere, Leber und Lunge sind die Folgen.

Warum dentales Röntgen?

Es gibt viele Gründe, warum ein dentales Röntgen unerlässlich ist. Prinzipiell, um sichtbar zu machen, was augenscheinlich unsichtbar ist. Entzündungen des Kieferknochens, Auflösungsprozesse, Zahnfrakturen und schmerzhafte Erkrankungen wie die FORL der Katze werden ohne dentales Röntgen übersehen. Man schätzt, dass z.b. 50% der über 5- jährigen Katzen und sogar über 70% der über 10-jährigen Katzen an einer FORL leiden. Zudem ist es gerade bei FORL unerlässlich, durch Röntgen die FORL als Typ I oder II zu klassifizieren, da die verschiedenen Typen einer gänzlich unterschiedlichen Behandlung bedürfen.

Zahnfraktur, Oberkiefer Hund
Entzündung unter Kiefer Hund
Entzündung unter Kiefer Hund
FORL Typ I,II und III, Unterkiefer Katze
FORL Typ I,II und III, Unterkiefer Katze

Was beinhaltet eine professionelle Zahnreinigung?

Farblösung auftragen
Ultraschallreinigung
Polieren mit Spezialpaste

Eine professionelle Zahnreinigung kann ausschließlich in Narkose vorgenommen werden. Die Tiere werden grundsätzlich intubiert, es wird ein venöser Zugang gelegt und der Patient in ein Wärmebett gelegt.
Zuerst werden die Zähne ganz vorsichtig mit einer speziellen Zange von dicken Lagen Zahnstein befreit. Es folgt die sorgfältige Reinigung mit einem Ultraschallgerät.

Eventuell bestehende Zahnfleischtaschen werden antibakteriell gespült. Mit einer Färbelösung werden auch die kleinsten Plaquereste aufgespürt. Die Zähne werden mit einer fluoridierten Spezialpaste poliert um ein erneutes Ansetzen von Plaque zu erschweren. Abschließend wird die Maulhöhle noch einmal gründlich mit einer isotonischen Lösung gereinigt.

Wie werden Zähne gezogen?

Bis auf wenige Ausnahmen wird in unserer Praxis eine chirurgische Extraktion der Zähne durchgeführt. Dazu wird das Zahnfleisch zuerst vorsichtig gelöst und freipräpariert, so dass gute Sicht auf die wurzelumgebenden Strukturen besteht. Die Wurzeln werden mit einem Bohrer zu 1/3 bis zu ½ freigelegt und anschließend wird der Zahn in so viele Teile zerlegt, wie er Wurzeln hat.

Dies ermöglicht das vollständige Entnehmen einer jeden Wurzel unter Sichtkontrolle. Die Knochenränder werden anschließend geglättet, damit keine störenden, scharfen Kanten verbleiben und das Zahnfleisch wird wieder adaptiert und vernäht um das Verbleiben von Wundlöchern, in denen sich Futterreste ansammeln können, zu verhindern.

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Wie gut wird mein Tier in der Narkose betreut?

Eine korrekte, ausführliche Untersuchung, dentales Röntgen, eine chirurgische Zahnextraktion oder professionelle Zahnreinigung kann beim Tier nur in Narkose durchgeführt werden. Dabei wird die Narkose an jedes Tier (Art des Eingriffs, Alter, Vorerkrankung, Rasse usw.) angepasst.

Die Narkosetiefe und -dauer ist abhängig von den durchzuführenden Behandlungen. Jedoch werden alle Tiere intubiert und an ein Inhalationsgerät angeschlossen, es wird ein venöser Zugang gelegt und die Tiere liegen in einem Wärmebett.

Ab ca 30 Minuten Narkosedauer werden die Patienten mit einer angewärmten Infusionslösung versorgt. Vitalparameter wie Puls, Blutdruck, Herzfrequenz, Atemfrequenz und Temperatur werden von einer tiermed. Fachangestellten, die während der gesamten Narkosedauer anwesend ist, fortwährend kontrolliert. Bei Veränderungen der Vitalparameter wird sofort korrigierend eingegriffen.

Durch Leitungsanästhesie (Blockade der schmerzleitenden Nerven durch ein örtliches Betäubungsmittel) kann man die allgemeine Narkosetiefe reduzieren. Durch ein Kombinieren verschiedener Beruhigungs-, Betäubungs-, und Schmerzmittel, kann man die Risiken herabsetzen.

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Warum ist der Kostenvoranschlag so ungenau?

Nur die Voruntersuchung reicht bei weitem nicht aus, das genaue Ausmaß der Veränderungen zu eruieren. Erst, wenn das Tier schon in Narkose liegt, exakt untersucht und ggf. geröntgt wurde, kann abgeschätzt werden, welche Behandlungen genau vorgenommen werden müssen. Und selbst dann können wir noch nicht voraussehen, wie die Behandlung verlaufen wird. Leichte Operation? Schwere Operation? Blutungen? Verwachsungen? Komplikationen?

Bei einer alleinigen professionellen Reinigung ohne Röntgen belaufen sich die Kosten mit Narkose, Material und Medikamenten auf ca 250 Euro.

Hat Ihr Tier schon weit fortgeschrittene Zahnerkrankungen, kann sich eine OP schon gerne mal 2 Stunden hinziehen. Mit Vor- und Nachbereitung sind das dann teilweise 3 Stunden, in der sich eine Tierärztin und eine tiermed. Fachangestellte intensivst ausschließlich Ihrem Tier widmen.

Für Narkose, Untersuchung, Röntgen, chirurgische Zahnextraktionen mehrerer Zähne, Zahnreinigung, Material und Medikamente steigt der Rechnungsbetrag dann schnell mal auf 750-850 Euro.

Gerne beraten Wir Sie hinsichtlich einer Ratenzahlung!