Kastration Hündin

Unsere Praxisphilosophie und Aufgabe ist es, unseren Kunden erklärend und beratend zur Seite zu stehen, wenn es darum geht schwierige Entscheidungen zu treffen. Zu unserem Leidwesen ist es derzeit jedoch unmöglich anhand der aktuellen Studienlage eine eindeutige Haltung pro oder contra Kastration Hündin einzunehmen.

Dieser Artikel gibt Ihnen lediglich einen Überblick über die möglichen positiven und negativen Auswirkungen einer Kastration nach heutigem Wissensstand.

Eine ausführliche, persönliche Beratung kann und darf hierdurch nicht ersetzt werden. Einer Entscheidung für oder gegen die Kastration muss immer eine genaue Betrachtung der Lebensumstände und Besonderheiten einer jeden Hündin vorangestellt werden!

Als positive Auswirkungen einer Kastration können gewertet werden:

  • ein Ausbleiben der Läufigkeit (wichtig bei Rudelhaltung um unerwünschte Trächtigkeiten zu vermeiden)
  • kein Auftreten von Scheinträchtigkeiten (aber: nicht jede unkastrierte Hündin wird auch zwangsläufig scheinträchtig)
  • Ausschluss von Erkrankungen an Eierstöcken, Eileitern oder Gebärmutter (durchschnittlich 10 % der unkastrierten Hündinnen bilden im Alter eine eitrige Entzündung der Gebärmutter aus = Pyometra)
  • deutliches Absenken des Risikos der Entstehung von Gesäugetumoren

Mögliche negative Auswirkungen:

  • Übergewicht; nach einer Kastration brauchen die meisten Hündinnen nur noch ca. 75 % ihres vorherigen Kalorienbedarfs. Gleichzeitig steigert sich jedoch häufig der Appetit. Unserer Erfahrung nach fällt es trotz aller Bemühungen seitens der Besitzer sehr schwer v.a. bestimmte Hunderassen wie z.B. Labrador oder Beagle in einem Gewichtsbereich zu halten, der keine gesundheitlichen Schäden zur Folge hat.
  • Inkontinenz; hierunter versteht man den unkontrollierten Abgang von Urin, häufig während der Ruhephasen. Je nach Rasse (besonders gefährdet sind Boxer, Dobermann, Riesenschnauzer und Rottweiler), Gewicht (häufiger bei Hündinnen über 20 kg) und Kastrationszeitpunkt (wahrscheinlich häufiger bei Frühkastration vor der ersten Läufigkeit) wird das Auftreten mit einer Häufigkeit von 5-20 % angegeben.
  • Fellveränderungen; bei rötlichen Langhaarrassen (Setter, Roter Langhaardackel, Roter Cocker Spaniel) kommt es nicht selten zur Entwicklung eines sog. Welpenfells.
  • Bei Boxern, Airdale Terriern und engl. Bulldoggen kann es sehr selten zur sog. saisonalen Flankenalopezie (Verlust des Fells in der Flankenregion) kommen.
  • Kreuzbandriss/ Hüftdysplasie; zur Zeit weisen einige Studien stark daraufhin, dass eine kastrierte Hündin ein höheres Risiko hat an Hüftdysplasie zu erkranken oder einen Kreuzbandriss zu erleiden. Mit absoluter Sicherheit kann das jedoch noch nicht behauptet werden da in den Studien wichtige Parameter wie Gewicht (kastr. Hündinnen sind häufig übergewichtig und damit sowieso anfälliger für Gelenkprobleme), Rasse oder Kastrationszeitpunkt nicht berücksichtigt wurden.
  • Die Häufigkeit von bösartigen Tumoren wie Mastzelltumore, Osteosarkomen (Knochenkrebs), Hämangiosarkomen und Lymphomen scheint sich durch die Kastration zu erhöhen. Allerdings sollte man hier beachten, dass z.B. bösartige Lymphome mit einer geschätzten Häufigkeit von 20-100 Fällen pro 100.000 Hunden auftreten. Verdoppelt sich das Risiko, sind demzufolge dann 200 von 100.000 Hunden betroffen. Das sind 0,2 %.
    Bedacht werden sollte allerdings auch, dass bestimmte Rassen generell häufiger betroffen sind und hier mit einer zusätzlichen Steigerung des ohnehin erhöhten Risikos zu rechnen ist. Hier sind zu nennen:

    • Mastzelltumor → Rhodesian Ridgeback, Boxer, Labrador und Golden Retriever, Mops
    • Hämangiosarkom → DSH, Golden und Labrador Retriever, Viszla
    • Osteosarkom → Irischer Wolfshund, Bernhardiner, Leonberger
  • Ebenfalls anzunehmen ist ein häufigeres Auftreten nach Kastration von folgenden Erkrankungen:
    • Atopie (allergische Erkrankung der Haut)
    • Schilddrüsenunterfunktion
    • Erkrankungen des Immunsystems
    • Erkrankungen der Nebenniere
  • Präpuberteres Aggressionsverhalten von Hündinnen wird eventuell verstärkt.

 

Lieber Tierhalter,

wir wissen, Sie lieben Ihre Hündin. Wir haben uns bemüht Ihnen einen umfassenden Überblick zum Thema Kastration Hündin nach heutigem Wissensstand zusammenzutragen.

Wir werden uns bemühen in einem persönlichen Beratungstermin auf alle Ihre Fragen bezüglich Risiken, Vor-und Nachteilen und Operationshergang einzugehen. Wir möchten Ihnen helfen zum Wohle Ihrer Hundedame die richtige Entscheidung zu treffen.

Falls noch nicht geschehen, freuen wir uns auf einen Termin mit Ihnen.